Eine ausführliche Beschreibung des Lichtspiels können sie hier als PDF-Datei herunterladen.



GESCHICHTE UND BEDEUTUNG DES LICHTSPIELS

Schätze bergen und Filme auf die Leinwand zurückholen


Ein altes Fabrikgebäude im Westen von Bern, zwischen Geleisen, Friedhof und Kehrichtverbrennung: In den grossen Hallen erinnern Duft und Staub gerösteter Kakaobohnen immer noch an die Firma Chocolat Tobler, die hier bis vor 30 Jahren produzierte.


Seither vermischt sich der süsslich herbe Duft mit den Gerüchen von Maschinenöl, altem Papier und Celluloid. Staub legte sich nicht nur auf die imposanten Holzbalken, sondern auch auf Maschinen und Material, stille Zeugen der über 100jährigen Kinogeschichte.


Der Kinotechniker Walter Ritschard, welcher 1998 verstarb, war eine schillernde Persönlichkeit und ein passionierter Sammler, in ganz Europa hat er Projektoren, Filme und Kinomaterial zusammengetragen und hier auf 1’000m² wahllos gestapelt.


Vor 10 Jahren begannen einige engagierte KinoliebhaberInnen, die kinematographischen Schätze aus der Vergessenheit zu holen. Der Verein Lichtspiel wurde gegründet und seither werden der staunenden Öffentlichkeit und den überraschten Fachleuten regelmässig Perlen aus der Sammlung präsentiert.


Herzstück der riesigen Sammlung ist das Kino, welches zwischen Projektorengalerie, Visionierungstischen, Ersatzteillager und Werkstatt eingerichtet wurde. Hier begeben sich die Gäste auch auf der Leinwand auf Entdeckungsreise, während im offenen Saal im Hintergrund der Projektor rattert. Regelmässig werden Überraschungsprogramme aus dem eigenen Filmarchiv und thematische Retrospektiven mit Filmen aus anderen Archiven gezeigt und die Gäste können mit „Wunschfilmen“ das Kinoprogramm ergänzen.


Der Verein kümmert sich nicht nur um den Nachlass von Ritschard, welcher neben über 100 Projektoren auch 500 Filmrollen umfasst, sondern baut eine eigentliche Kinemathek auf: Filme und anderes kinematographisches Material werden vor dem Zerfall, der Vernichtung und dem Vergessen gerettet, aufgearbeitet, fachgerecht konserviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im neu eingerichteten Kühlraum lagern inzwischen rund 14’000 Filmrollen: Wochenschauen, Werbung, Dokumentar- und Musikfilme, darunter seltene Filmkopien, etliche Unikate und viele Amateurfilme.


Der Verein bietet Kurse zur Kinogeschichte an und bildet Operateure aus. Das Lichtspiel kann jedes Filmformat und –material bearbeiten und vorführen und ist inzwischen eine anerkannte Schnittstelle für alles, was irgendwie mit Kino zu tun hat.